„Atelier Firis“ ist der 18. Teil der Reihe und erscheint nun fast genau ein Jahr nach dem Release seines Vorgängers „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“. Das japanische Rollenspiel entwickelt von Gust und Koi Tecmo knüpft nahtlos an den Vorgänger an und bildet so den zweiten Teil der „Mysterious-Reihe“. Als 18. Teil einer Reihe fällt es schwer, dem treuen Fan Neuerungen zu bieten und gleichzeitig Neulingen den Einstieg in die komplexe Spielwelt zu ermöglichen. Wie gut schneidet „Atelier Firis“ ab? Wir machen den Test!

Atelier Firis Guide

Das Gefängnis im ewigen Stein

Firis Mistlund lebt mit ihrer Familie in Ertona, einer unterirdischen Minenstadt. Sie hat Zeit ihres Lebens die Stadt noch nie verlassen und fristet ein ödes Dasein in den unterirdischen Höhlen. Sie verbringt ihre Zeit damit, Erze und Edelsteine zu sammeln. Wie gern würde sie einmal die Sonne sehen? So wie ihre ältere Schwester Liane, die als ausgebildete Jägerin, außerhalb der Höhle Abenteuer bestreitet. Als Alchimistin Sophie und ihre Begleiterin Plachta plötztlich in der unterirdischen Stadt auftauchen und anbieten, Firis die Kunst der Alchemie zu lehren, ist Firis sofort Feuer und Flamme.

Ungeachtet aller Gefahren, die auf ihrer Reise auf sie warten könnten, macht sie sich mit der Erlaubnis ihrer Eltern und dem Schutz ihrer kampferfahrenen Schwester auf ins Abenteuer. Begleitet von Sophie und Plachta, um eine waschechte Alchimistin zu werden. Doch dieses Unterfangen ist an eine Bedingung geknüpft, die über die Zukunft von Firis entscheiden wird. Schafft Firis es nicht, innerhalb von 10 Monaten die Ausbildung zur Alchemistin abzuschließen, muss sie in ihre Heimatstadt und zur schnöden Arbeit als Erzsammlerin zurückkehren. Das will Firis natürlich vermeiden und so beginnt die unglaubliche Entdeckungsreise des jungen Mädchens und ihren Gefährten.

Atelier Firis GraphicsAtelier Firis Boss

TICK TACK, TICK TACK

Die Uhr tickt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Um das Ziel zu erreichen bleiben uns 10 Monate und die Zeit drängt. Jede Handlung kostet Zeit und diese verstreicht so nach und nach vom Zeitkonto. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, benötigt man die Empfehlungsschreiben von 3 Alchimisten, die frei gewählt werden können. Die Reise verläuft dementsprechend relativ frei von vorgegebenen Wegen. Die Zeit sitzt uns aber unnachgiebig im Nacken. Plaudern, sammeln oder das Herstellen alchimistischer Formeln, ja sogar das bloße nichts Tun, alles kostet Zeit.

Die Gebiete sind sehr  weitläufig und deutlich größer als im Vorgänger, so dass man einiges entdecken kann. Die Zeit muss man aber tatsächlich ständig im Blick haben, denn schafft man es nicht, in der vorgegebenen Zeit das Ziel zu erreichen, endet das Spiel unverrichteter Dinge. Natürlich kann man zu Speicherpunkten zurückkehren, sollte es einmal nicht so gut geklappt haben. Wer am Ende die Prüfung zur Alchemistin besteht, hat wiederum alle Zeit der Welt. Getreu dem Motto: „erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ kann im Anschluss alles nach Herzenslust ohne Zeitdruck erkundet werden. Erstmals in der Geschichte der Atelier Reihe hat der Spieler nach bestandener Prüfung die Möglichkeit, den weiteren Spielverlauf zu beeinflussen. Dem Spieler werden drei unterschiedliche Pfade zur Wahl angeboten. Welcher Weg bestritten werden soll, hängt ganz von den Entscheidungen des Spielers ab.

Im Mittelpunkt von Atelier Firis steht ganz klar die Alchemie, das Sammeln der Zutaten, den Rezepten und spannenden Experimenten. Dialoge, Hintergründe und auch die Charaktere wirken teils sehr dünn und konstruiert. Eine Charakterentwicklung ist nicht festzustellen. Auch die Nebenquest verfolgen das steinzeitliche Prinzip der Jäger und Sammler. So dass auch hier kaum ein Beitrag zur Geschichte zu erwarten ist. Im Laufe der Reise treffen wir auf die unterschiedlichsten Monster, die meist viel zu niedlich sind, um sie als Monster zu bezeichnen und gegen sie kämpfen zu wollen. Die Kämpfe sind rundenbasiert und beinhalten eine taktische Zugplanung. Dadurch kommt etwas Dynamik in die Kämpfe gegen die frei umher streunenden Monsterchen.

Atelier Firis StudyAtelier Firis Best Magic

Graphische Meisterleistung Fehlanzeige

Atelier Firis kann nicht mit einer ausgefeilten graphischen Darstellung punkten. Die 3D-Modelle sind wenig detailliert und teilweise auch nur  mit groben Texturen versehen. Technisch wäre heutzutage deutlich mehr möglich. Die graphische Darstellung stagniert und das kann durch größere Gebiete nicht unbedingt übertüncht werden. Jedoch sind die Figuren und Monster wie gewohnt sehr niedlich dargestellt worden. Hier zeigt sich, es muss nicht immer alles so gruselig und furchteinflößend wie möglich sein, um den Spieler bei Laune zu halten.

Die Vertonung ist durchgehend auf Englisch, wahlweise für Anime-Fans auch auf japanisch. Deutsche Untertitel gibt es nicht, so dass auf die englische Sprachausgabe mit zusätzlichen englischen Untertiteln zurückgegriffen werden muss. Eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger ist das mobile Labor. An jedem Lagerplatz kann das Atelier aufgeschlagen werden, so dass lange Reisen zum Atelier der Vergangenheit angehören. Die Lagerplätze sind in ausreichender Anzahl vorhanden und das mobile Atelier kann mit den unterschiedlichsten Accessoires ausgestattet werden, um Lagerkapazitäten zu erhöhen und Regenerationsfähigkeiten zu steigern. Eine Schnellreisefunktion wird jedoch erst im späteren Spielverlauf frei geschaltet.

Atelier Firis PartyAtelier Firis Crafting

Nicolas Flamel wäre neidisch!

Nicolas Flamel wäre zurecht neidisch, auf das, was wir alles mit Hilfe der Alchemie herstellen können. Neben Alltagsgegenständen wie Spitzhacken, Laternen oder Mobiliar für unser Atelier, können sogar ganze Schiffe und Brückenteile im mobilen Atelier hergestellt werden. Das ist wirklich eine Wucht! Die Kombinationsmöglichkeiten scheinen schier unendlich zu sein und zahlreiche Rezepte wollen hergestellt werden.

Das aufwändige Sammel- und Crafting-System ist auch in Atelier Firis die Quintessenz des Spiels. Riesige Gebiete, unzählige Monsterchen, Quests und die unterschiedlichsten Materialien machen es im Spielverlauf möglich, atemberaubende Gegenstände herzustellen. Das ganze hat nur einen kleinen Haken: Einige Dinge können nur durch reines experimentieren erforscht werden. Das kostet natürlich Zeit und eine Menge an Materialien. Zusätzlich sind die Ergebnisse, die mit Hilfe der Alchemie erzielt werden, stark von der Herstellungsqualität abhängig. Die Zutaten müssen hierzu mit Hilfe von Katalysatoren optimal kombiniert und angeordnet werden, um ein Produkt höchster Güte zu erhalten.

Atelier Firis Towns

Atelier Firis: The Alchemist and the Mysterious Journey
Fazit:
Atelier Firis ist größer und umfangreicher als seine Vorgänger und bietet eine offene Welt, die es zu erkunden gilt. Die Geschichte ist zwar relativ dünn und unscheinbar, jedoch sind die Möglichkeiten, Gegenstände mit Hilfe von Alchemie herzustellen, nahezu grenzenlos. Die graphisch veraltet Darstellung wird durch mehr Entscheidungsmöglichkeiten und eine größtenteils offene Spielwelt kompensiert. Niedliche Monster und weichgezeichnete Charaktere ermöglichen die etwas sanftere Unterhaltung verglichen mit roher Gewalt und grotesken Figuren anderer Rollenspiele. Atelier Firis bietet Neulingen eine gute Einstiegsmöglichkeit in die Spielwelt und gewährleistet den alteingesessenen Fans ein erweitertes Spielerlebnis. Neuerungen wie das mobile Atelier und das verbesserte Kampfsystem tragen zu einem verbesserten Spielerlebnis bei. Die Zeit sitzt dem Spieler zu Beginn im Nacken und bringt eine gute Dynamik in den Spielfluss. Die Spielidee, im Verlauf des Spiels Alchemie zu studieren, ist sowohl für Einsteiger als auch für Fans der Serie eine interessante Herausforderung. Nur die besten Schüler bestehen ihr Examen!
7.5
Gelungen

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