Es müssen nicht immer dunkle Ritter und Feuer speiende Drachen sein. Katana wetzende Samurai und die tödliche Welt der japanischen Folklore- und Fabelwesen sind nicht minder Furcht einflößend. Die Schauplätze von Nioh entführen den Spieler in eine fernöstliche mystische Welt, gespickt mit unzähligen Gefahren und  spannenden Duellen. Erinnerungen an Ninja Gaiden oder Onimusha kommen auf, dabei ist es vor allem der Vergleich mit der Dark Souls Serie, dem sich Nioh nicht entziehen kann.

Die Jungs und Mädels bei Team Ninja haben sich augenscheinlich jedenfalls stark vom mittelalterlichen Fantasy RPG inspirieren lassen. Die Ähnlichkeit ist schlicht nicht zu übersehen. Sowohl die Bildschirm Anzeigen, als auch die elementaren Spielmechaniken sind nahezu identisch. Leichte Zweifel keimen auf, sollte Hauptfigur William doch nur ein blutrünstiger Trittbrettfahrer sein, ein Schmarotzer im Fahrwasser einer der aktuell angesagtesten „In-„Serien? Nach unzähligen schweißtreibenden Spielstunden kann ich zu Protokoll geben: Nein – aber sowas von nicht!

Nioh boss guide Nioh fairy

Nioh bedient sich zwar unverblümt bei vielen Spielelementen, ergänzt das bewährte System aber um ausreichend eigene Facetten und drückt dem Spielerlebnis einen ganz eigenen Stempel auf. Das Rad muss ja auch nicht immer neu erfunden werden. Nioh übernimmt die typischen Dark Souls Markenzeichen und integriert sie gekonnt in die mystisch angehauchte Welt des feudalen Japans.

Zum einen wäre da der knackige Schwierigkeitsgrad. Jeder noch so schmächtige Bandit und schmierige Ghul kann uns das Leben zur Hölle machen. Eine kleine Unachtsamkeit und schon hat man sich ein paar Hiebe eingefangen. Deckung, Positionierung und Angriffe müssen jederzeit gut abgestimmt sein, Leichtfertigkeiten werden brutal bestraft und verleihen jeder Begegnung einen gewissen Nervenkitzel. Grade wenn man denkt, die Dinge etwas lockerer angehen lassen zu können, versteht es das Spiel perfekt, das eigene Ego wieder auf den Boden zurück zu holen. Von den größeren Widersachern ganz zu schweigen. Aggressive Oni, flinke Ninjas und andere Monstrositäten verlangen dem Spieler eine menge Geduld und Geschick ab.

Nicht selten enden solche Auseinandersetzungen schmerzhaft, um nicht zu sagen tödlich. Hier kommt ein weiterer Dark Souls Aspekt ins Spiel. Die durch Kämpfe gewonnenen Erfahrungspunkte, hier „Amrita“ genannt, gehen beim Ableben verloren. Die mühsam angesammelten Erfahrungspunkte können zwar anschließend am Ort des Geschehens aufgesammelt werden, scheitert man jedoch bei dem Versuch, sind die Punkte komplett verloren. Es empfiehlt sich daher den eigenen Amrita Bestand regelmäßig in Upgrades der zahlreichen Charakter Eigenschaften zu investieren. Mit jedem Level-Up steigt die erforderliche Anzahl an Erfahrungspunkten und somit auch das Risiko lang angesparte Amrita im Kampf zu verlieren.

Nioh How to Nioh Yokai Watch

Es bleibt jedoch nicht nur beim Verlust der Erfahrungspunkte. Verschiedene Schutzgeister begleiten den Spieler, wobei immer nur einer aktiv ausgewählt werden kann. Dieser gewährt passive Boni und Zusatzfähigkeiten und kann für besonders verheerende Angriffe im Kampf eingesetzt werden. Umso ärgerlicher also, dass neben Amrita auch der Schutzgeist flöten geht. Immerhin, dieser kehrt nach einem weiteren Exitus zum Spieler zurück und geht nicht dauerhaft verloren.

Um in den gefährlichen Auseinandersetzungen gut gewappnet zu sein, bietet sich dem Spieler ein äußerst umfangreiches Arsenal an Waffen und Fähigkeiten. Die Entscheidung zwischen den Waffen fällt da nicht immer leicht. Es erweist sich jedoch als hilfreich, dass je zwei Nah- und Fernkampfwaffen, gleichzeitig ausgerüstet werden können. Schwerter, Äxte, Speere, Bögen und Kanonen, der Spieler hat die Qual der Wahl. Auch etwas exotischere Vertreter wie die Kusarigama, mit Klingen besetzte Ketten,  mit denen Gegner auf mittlerer Distanz malträtiert werden können, gehören zum Aufgebot und lassen das Kampfgeschehen erfreulich abwechslungsreich gestalten.

Ebenfalls passend zum Setting, können sich Samurai Freunde an Ninjutsu Fertigkeiten, Wurfsternen und Giftklingen erfreuen. Magie und Element-Verstärkungen für eure Waffen, runden das Repertoire wunderbar ab. Wie auch in Dark Souls kann der Spieler in kritischen Situationen auf eine begrenzte Anzahl an Elixieren zurück greifen, mit der sich Lebensenergie wieder herstellen lässt. Um das Elixier Kontingent aufzufüllen besucht man einen nahe gelegenen Schrein. Mit dem netten Nebeneffekt, dass gleichzeitig auch alle bis dahin besiegten Gegner, erneut zum Leben erweckt werden. Klingt vertraut gell?

Nioh dungeon maze Nioh NPCS

Was Nioh dabei so faszinierend macht, ist das Zusammenspiel all dieser Elemente, erweitert um eines der besten Kampfsysteme das mir bisher in die Finger gekommen ist. Neben den verschiedenen Waffen und Spielweisen, kann der Spieler aus drei unterschiedlichen Kampfhaltungen wählen. In niedriger Haltung sind Angriffe zwar schwächer, dafür aber deutlich schneller ausgeführt. Aus der hohen Haltung sind die Hiebe entsprechend deutlich kraftvoller, verbrauchen aber auch merklich mehr Ausdauer. Der Wechsel zwischen der niedrigen, mittleren und hohen Haltung erfolgt dabei mit Leichtigkeit, durch einen einfachen Tastendruck. Noch im Kampfgeschehen ist es möglich die unterschiedlichen Angriffshaltungen zu variieren. Mit genügend Übung lassen sich so spektakuläre Kombos kreieren, bei denen selbst erfahrene Samurai nur staunen können. Jeder Waffentyp und jede Haltung ist optisch anders und passend umgesetzt, was spürbar dazu beiträgt, dass sich die Kämpfe natürlich und authentisch anfühlen.

Die Ausdauer Anzeige nimmt in Nioh dabei einen ganz wesentlichen Teil ein. Hier handelt es sich um den Ki-Wert des Spielers, der sich mit jeder Aktion (Angriffe, Sprints, Ausweichmanöver) reduziert und sich im Anschluss langsam wieder regeneriert. Angriffs-Staffetten können so nicht einfach stupide und ins unendliche ausgeführt werden, sondern müssen mit bedacht und wohl dosiert eingesetzt werden. Ein Teil der Ki-Anzeige  lässt sich dabei mit Druck auf die rechte Schultertaste vorzeitig auffüllen. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Aufmerksamkeit des Spielers hoch gehalten wird, sondern macht das Kampfgeschehen erfreulich taktisch und schnelllebig zugleich.

Ist das gesamte Ki verbraucht, ist man für eine kurze Zeit erschöpft und den Angriffen der Gegner hilflos ausgeliefert. Auch Gegner verbrauchen bei jedem Schlag ihr Ki und können durch kräftige Schläge und Abwehr-durchbrechende Konter, außer Gefecht gesetzt werden. Eiskalte Finisher-Moves natürlich inklusive. Blutfontänen, fliegende Köpfe und Körperteile  sind in Nioh ohnehin fester Bestandteil auf der Tagesordnung. Die teils übertriebene Gewaltdarstellung flimmert dabei so selbstverständlich und ohne großes Tamtam über den Bildschirm,  dass man sich kaum vorstellen kann, wie es anders seien sollte. Zatoichi – der blinde Samurai oder Lone Wolf & Cub lassen grüßen.

Nioh Summon Nioh Boss guide

Anders als in den „Souls“ Titeln, bereisen wir keine ineinander verwobene Spielwelt, sondern hangeln uns von Mission zu Mission. Mit jeder neuen Aufgabe erschließen sich dem Spieler neue Gebiete, die mal mehr mal weniger, umfangreich ausfallen. Die einzelnen Haupt-Level bieten aber trotzdem genügend Möglichkeiten, um sich getrost mehrere Stunden in der Welt austoben zu können, bevor man dem Endgegner gegenüber steht. Immerhin, die versteckte Schätze, Abkürzungen und die als Speicherort dienenden Schreine, müssen erst noch gefunden werden. Die Struktur der Level ist dabei relativ durchwachsen. Während einige Abschnitte durch Weitläufigkeit und verschiedene Wege zum erkunden begeistern, spielen sich andere Bereiche relativ linear und einfallslos.

Insbesondere die Nebenmissionen können nicht immer überzeugen. Anhand kleinerer Nebengeschichten, durchstöbert man erneut, in einen kleinen Teilbereich, bereits bekannter Gebiete. Meistens um einen bestimmten Gegner zu suchen und auszuschalten. In einigen Fällen, bleibt einem das lästige Suchen erspart und sieht dem Widersacher sofort in die Augen. Das kann mitunter ganz kurzweilig sein, nach einer gewissen Weile, wirken die sich wiederholenden Aufgaben, meist wie unnötiges Füll-Material. Bei einer Spieldauer von locker über 60 – 70 Stunden, hätte es das vielleicht nicht unbedingt gebraucht.

Aufgrund der zahlreichen interessanten Gegnerbegegnungen und dem unterhaltsamen Kampfsystem, kann man diesen Umstand aber noch ganz gut verschmerzen. Die Quest-Belohnungen können ebenfalls die Mühe wert sein. Häufig sind sie es jedoch nur bedingt. Als Spieler wird man regelrecht mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen überschüttet. Nahezu jeder Gegner lässt ein Item, eine Waffe oder sein Höschen fallen. Die gefallenen Geister, anderer menschlichen Mitspieler, lassen sich ebenfalls duellieren und um wertvolle Ausrüstungen erleichtern. Das Inventar quirlt so schon nach ein paar Spielstunden aus allen  Nähten. Das dauernde wegwerfen und verkaufen der überflüssigen Klamotten hat mich zu Beginn des Spiels durchaus genervt.  Ein Umstand der sich jedoch schlagartig geändert hat, nachdem ich mich einmal ausführlicher mit der Schmiedin meines Vertrauens auseinander gesetzt habe.

Sämtliche Waffen und Rüstungsteile, können nämlich in wertvolle Materialien zerlegen werden oder mit anderen Teilen verschmelzen, um diese noch stärker zu machen. So lassen sich auch besondere Fähigkeiten, Boni und Status-Modifikationen kombinieren und in eine andere Ausrüstung übertragen. Dank zahlreicher fetter Beute werden dann selbst die zahllosen Kämpfe, auf der Jagd nach Amrita und dem nächsten Level-Aufstieg, zu einer motivierender Angelegenheit.

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Eine tolle Funktion des Spiels ist es, die Auflösung oder die Bildrate je nach Geschmack beeinflussen zu können. Während der „Filmmodus“ die Auflösung in den HD Bereich schraubt, garantiert der „Actionmodus“ konstante 60 FPS, bei niedrigerer Pixel-Anzahl. Auf der normalen PS4 gibt es für den Spieler leider nur die Auswahl zwischen flüssigem Gameplay oder einer klaren Darstellung. PS4 Pro Besitzer können aber auch im Full HD Bereich mit butterweichen Bildraten durch die Gegend schnetzeln. Sogar Ultra-HD für 4K Bildschirme wird unterstützt.

Optisch merkt man dem Titel dann aber doch die lange Entwicklungszeit an. Viele Grafiken wirken ein wenig angestaubt, ohne jedoch, als besonders hässlich aufzufallen. Die Umgebungen wirken stimmig und wissen ab und an auch stilistisch zu gefallen. Leider wird der Spieler immer wieder in relativ monoton wirkende Höhlen oder Tunnelsysteme verfrachtet. Bei all der Liebe zum Detail, hätte es ruhig etwas abwechslungsreicher sein können.

Stimmungsvoll bleibt es trotzdem. Einzelne Zwischensequenzen lockern das anstrengende Gemetzel auf und verleihen der Handlung mehr Tiefe. Neben William tauchen schnell auch noch weitere interessante Figuren auf, die nach und nach ihren Platz in der unterhaltsamen Geschichte finden. Passend zur authentischen Darstellung der düsteren Samurai-Welt, wurde auch die Sprachausgabe umgesetzt. Abhängig von der Herkunft der Figur wird entweder englisch oder japanisch gesprochen. Die passenden deutschen Untertitel liefert das Spiel zum Glück dazu.

Nioh secret Dungeon Nioh guide

Nioh
Fazit:
In einer Welt mystischer Fabelwesen und ehrvoller Samurai, hat Nioh seinen ganz eigenen Platz gefunden. Das Abenteuer von William nimmt den Spieler für viele Stunden in Beschlag und belohnt ausdauernde Abenteurer, mit einem absolut fantastischen Kampfsystem und einer glaubhaft schönen und spannenden Spielwelt. Die spielerische Finesse überschattet die technischen Schwachstellen mit Leichtigkeit, eine inhaltlich in Teilen fade und eintönige Missions- und Levelgestaltung verhindern aber den ganz großen Wurf. Auch die Online-Komponente bietet noch genügend Platz für Verbesserungen, die hoffentlich in einem Nioh 2 umgesetzt werden.
8.5
Prima

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