Das lange Warten hatte im September 2018 endlich sein Ende, denn es erschien der nun mehr 12. Teil der erfolgreichen Action-Adventure-Videospiel-Reihe um die mutige Heldin Lara Croft, die Generationen begeisterte. „Shadow of the Tomb Raider“ wurde anders als seine Vorgänger erstmals vom Entwickler Studio Eidos Montreal entwickelt. Ob sich das Warten gelohnt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Apokalypse naht [leichte Story-Spoiler] 

Nachdem Lara in „Rise of the Tomb Raider“ herausgefunden hat, dass der mysteriöse Orden Trinity ihren Vater auf dem Gewissen hat, setzt sie alles daran, hinter die dunklen Pläne Trinitys zu kommen, um diese zu vereiteln.

Dies führt sie nach Südamerika. Beim verzweifelten Versuch, Trinity aufzuhalten, passiert das unvorstellbare: Lara löst unwissentlich die Apokalyse aus. Bei der Verfolgung von Dr. Dominguez, der sich später als Oberhaupt von Trinity herausstellt, schnappt sie ihm einen alten verfluchten Dolch vor der Nase weg, im Glauben, damit die bösen Absichten des Ordens zu vereiteln. Doch dadurch wird ein uralter Fluch entfesselt, der den Untergang der Welt bedeuten könnte, falls das zweite Artefakt in die falsche Hände geraten sollte. Das befindet sich irgendwo im tiefsten Dschungel Perus und natürlich lässt sich auch Dominguez nicht so leicht abschütteln und sucht mit seinen Schergen unerschütterlich nach dem Artefakt, das ihm die Macht verleihen soll, die Welt neu zu ordnen.

Natürlich ist auch Lara nicht ganz auf sich allein gestellt. Jonah, ein enger Freund, reist mit ihr und steht ihr in dieser schicksalhaften Zeit zur Seite.

Am Anfang war das Ende

Die nahende Apokalypse ist allgegenwärtig. Naturkatastrophen und Endzeitstimmung begleiten uns durch das gesamte Spiel. Wir erleben immer wieder eine sehr verletzliche, gefühlvolle Seite von Lara, die sich die Schuld an all dem gibt, was den Menschen widerfährt. Das Bild von Lara wird in ein neues Licht gerückt. Leid, Hass auf Trinity und die scheinbar verzweifelte Hoffnung, die drohende Apokalypse aufhalten zu können, lassen uns mit ihr mitfiebern.

Die Endzeitstimmung wird durch das ganze Setting untermauert. Mitten im Dschungel streifen wir durch das Dorf Kuwaq Yaku, das von den Naturkatastrophen stark gebeutelt wurde. Und wie gewohnt gibt es viele düstere Höhlen, alte Ruinen und Wälder zu erforschen. Und das ist nicht immer etwas für schwache Nerven, denn die Eingeborenen gehen nicht zimperlich mit ihren Mitmenschen um. So kann es vorkommen, dass wir in einer Opferstätte über Leichenberge uns einen Weg nach draußen Bahnen müssen. Gruselfeeling pur!

Wie gewohnt werden einige Teile der Geschichte in Sequenzen eingespielt. Diese sind von herausragender grafischer Qualität. Natürlich erfahren wir auch viel über Hintergründe im Gespräch mit NPCs, die hin und wieder auch Hinweise für weitere Verstecke geben. Das Gefühl, hautnah dabei zu sein, vermitteln zusätzlich auch die vielen kleinen Gespräche, die Lara und Jonah während ihrer Reise durch den Dschungel mit einander führen. Wenn Sie nicht gemeinsam unterwegs sind, verständigen sie sich über Neuigkeiten per Funkgerät.

Der weitläufige Dschungel Südamerikas begleitet uns in weiten Teilen des Spiels. Facettenreiche Wälder, knifflige Rätsel und natürlich auch allerlei Gefahren verbergen sich im Dschungel Dickicht.
Auch hier wurde an grafischen Reizen nicht gegeizt. So können wir immer wieder an atemberaubenden Aussichtspunkten die Schönheit der Natur genießen. Dies wird auch durch gut inszenierte Lichteffekte ermöglicht.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und wo Sonne ist, ist auch Regen. In unserem Fall Wasser! Natürlich gibt es im Dschungel reichlich Wasser und es führt häufig kein Weg drum herum, also heißt es tauchen! Tauchen! Tauchen! Aber als wäre das Wasser nicht schon anstrengend genug, machen wir hier auch die ein oder andere klaustrophobische Erfahrung. Die Luft wird knapp und natürlich, wie könnte es auch anders sein, lauert das Böse auch in der Tiefe! Trotzdem sind die Wasserszenen nicht besonders nervig und bieten eine zusätzliche Herausforderung. Und auch hier gilt: Augen offen halten, denn es verbergen sich einige Schätze im kühlen Nass, die gefunden werden wollen!

Ein Waffenarsenal hat noch nie geschadet!

Auch im neuen Teil kann Lara auf Pfeil und Bogen nicht verzichten. Wir finden aber auch Pistole, Sturmgewehr und Schrotflinte im Laufe des Spiels. Alle Waffen lassen sich durch Materialien upgraden und bei einigen Händlern durch bessere Modelle oder zusätzliche Aufsätze ersetzen bzw. verbessern. Ob man nun lieber im Verborgenen kämpft oder eine eher offensive Taktik verfolgt, bleibt jedem selbst überlassen. Das Spiel bietet beide Möglichkeiten. Durch neue Tarn-Funktionen kann sich Lara nun auch mit Schlamm einreiben und nutzt diesen  als Tarnung an Wänden. Gegner können sie nun kaum entdecken und so werden Stealth-Angriffe möglich.

Haben die Gegner Lara einmal entdeckt, kreisen sie diese sehr schnell ein und agieren erstaunlich intelligent. Es gilt: Immer in Bewegung bleiben!

Natürlich gibt es wieder reichlich Tools, die im Kampf gegen den Feind nützlich sein können. Explodierende Fässer, Rauchbomben oder Flaschen können der Retter in der Not sein. Im Laufe des Spiels erlernt Lara immer mehr Fertigkeitspunkte, mit denen einige Skills verbessert oder neu erlernt werden können.

Laras Überlebensinstinkte sind dabei goldwert, denn sie entdecken nicht nur Gegenstände, sondern auch Gegner. Rotes Leuchten bedeutet Gefahr, denn er steht im direkten Sichtkontakt zu anderen Gegnern, so dass ein unbemerktes Ausschalten nicht möglich ist. Doch auch Trinity hat irgendwann genug von Laras Angriffen aus dem Nichts und legt sich Wärmebildkameras zu! Natürlich wird es dadurch kniffliger, sich unerkannt durch die Horden zu schnetzeln. Aber durch die enorme Vielfalt an Möglichkeiten, ist kein Kampf wie der andere. Das bringt sehr viel Dynamik ins Spiel.

Lara will hoch hinaus!

Wenn wir nicht tauchen, dann klettern wir! Wie auch schon in seinen Vorgängern legt man in „Shadow of the Tomb Raider“ sehr viel Wert auf atemberaubende und spektakuläre Kletterpartien. Diese finden in schwindelerregenden Höhen zb in Höhlen oder an Felswänden statt. Natürlich hat Lara auch hier ein paar neue Fähigkeiten. Das Klettern an Felsüberhängen gehört zu ihrem neuen Repertoire. Darüber hinaus seilt sie sich jetzt auch an Felswänden ab und kann sich so an weit entfernte Vorsprünge schwingen oder sich in die Tiefe herab lassen. Natürlich sitzt bei so viel Akrobatik nicht jeder Griff und es kommt immer wieder dazu, dass Lara abrutscht und sich nur im letzten Moment vor dem sicheren Absturz rettet. Das Adrenalin steigt! Da hilft nur eine kurze Verschnaufpause.
Was würde sich hier besser eignen, als ein kniffliges Rätsel?

Rätsel, Kletterpartien und Kämpfe sind gut durchmischt und bieten eine sehr gute Abwechslung. Die Rätsel sind teilweise sehr knifflig und können zu Weilen auch sehr tödlich sein. Mit Hilfe von Herausforderungsgräbern können zusätzliche Fähigkeiten freigeschaltet werden. Es lohnt sich also, auch diese Rätsel mitzunehmen.

Neben der Hauptquest gibt es viele kleine Nebenquests, Herausforderungen und Schatzsuchen. Die Nebenquests sind in diesem Teil besser in die Hauptgeschichte integriert und runden das Gesamtbild ab.

Komm setz dich ans Lagerfeuer…

Das Lagerfeuer ist nicht nur ein Ort für angeregte Gespräche mit Jonah, sondern auch der perfekte Zeitpunkt, Laras Fähigkeiten und Ausrüstung zu verbessern. Einen Nachteil hat das Ganze aber leider: Es kann nur Laras Standard Ausrüstung verbessert werden. Alte Ausrüstungsteile aus den Vorgängerteilen sind zwar verfügbar, können aber nicht verbessert werden und sind dadurch nicht unbedingt vorteilhaft im Kampf.

Einige Orte lassen sich nicht sofort erkunden, weil die Fähigkeiten anfangs noch nicht ausreichen, um z.B. ein dickes Wellblech zu zerstören. Hinter solchen Passagen verbergen sich in der Regel nützliche Gegenstände oder Fähigkeiten. Es lohnt sich also, später an einige Stellen zurückzukehren. Dies wird durch die Dark Souls’sche Lagerfeuer-Schnellreise ermöglicht, die uns bequem von Lagerfeuer zu Lagerfeuer bringt.

Shadow of the Tomb Raider
Fazit:
Action Adventure meets Horror! Shadow of the Tomb Raider bringt zu seinen Vorgängern nicht viele Neuerungen und verlässt sich auf das Bekannte. Und das funktioniert vortrefflich. Schöne Grafik, tolle Kletterpartien, knifflige Rätsel und ein paar Kampfeinlagen runden das Gesamtpaket ab. Alles in allem bietet der 3. Teil des Lara Reboots, das was man sich vorgestellt hat und steigert die Spannung der Vorgängerteile um ein Vielfaches. Durch mehr Persönlichkeit und Tiefe der Nebencharaktere und viel Hintergrundmaterial erhält das Spiel eine neue Vielschichtigkeit. Für alle Zartbesaiteten sei noch einmal erwähnt, dass es Stellenweise ein wenig gruselig werden kann. Schließlich wagt sich Lara in dunkle Tiefen, um ein uraltes Geheimnis zu lüften, was besser im verborgenen geblieben wäre. Ob Lara im letzten Moment die drohende Apocalypse abwenden kann? Seht selbst, der Ausflug lohnt sich!
9
Superb

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