Es ist soweit, „Tales of Berseria“, der neuste Teil der „Tales of…“ Reihe, ist nun endlich auch in Deutschland erschienen. Beinahe ein halbes Jahr nach dem Release in Japan, können auch wir in die Welt des 16. (!) Teils der Serie von Bandai Namco Entertainment eintauchen. Und dieser Teil hat es in sich! Anders als in seinen Vorgängern begleiten wir eine Gruppe von sehr untypischen „Helden“ auf ihrem Weg zum Ziel. Ob man an der Stelle tatsächlich von „Helden“ sprechen darf oder ob es sich eher um Antihelden handelt, muss jeder für sich selbst entscheiden, denn unsere Hauptprotagonistin Velvet Crowe ist ein waschechter Dämon. Und auch ihre Gruppe besteht aus Dämonen, Malkhim und einer Hexe. Ihr Ziel: Blutrünstige Rache am Oberhaupt der Kirche, die die Welt von der Dämonenpest befreien will. Doch wie so oft im Leben, sind die Dinge selten klar in Schwarz und Weiß zu trennen und so verschwimmen auch hier die Grenzen zwischen richtig und falsch bzw. gut und böse.

tales of berseria guide

Rache ist süß!

Alles beginnt recht harmlos. Die Welt wird von einer zunehmend schlimmer werdenden Dämonenpest bedroht. Nach dem Tod ihrer Eltern und ihrer Schwester lebt Velvet in einem Dorf zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Schwager. Ihr Bruder ist sehr krank, so dass sich Velvet hingebungsvoll um ihn kümmert. Die Bedrohung durch die Dämonen wächst stetig und nur Exorzisten sind in der Lage, die Dämonen in Schach zu halten. Arthur, Velvets Schwager, ist einer der mächtigsten Exorzisten und verteidigt nicht nur das Dorf vor feindichen Angriffen, sondern lehrt auch Velvet in der Kunst des Kämpfens.

In einer schicksalhaften Nacht wird das Dorf jedoch von den Dämonen überrannt. Velvets Bruder Laphicet ist verschwunden. Alle Menschen im Dorf sind tot. Panisch macht sich Velvet auf die Suche nach ihrem Bruder. Sie findet Arthur und wird Zeuge, wie Arthur ihren Bruder zum Wohle der Menschheit opfert, um so die Anzahl an Dämonen in der Welt zu dezimieren. Die Ereignisse überschlagen sich. Velvet verwandelt sich selbst in einen Dämon und wird von Arthur in eine finsteren Kerker gesperrt. Als Velvet zusammen mit anderen Insassen die Flucht gelingt, schwört sie Arthur ewige Rache für das, was er ihr angetan hat.

Während die anderen „Tales of“ Teile mit soliden, braven Charakteren aufwarten, trifft man hier auf eine Vielzahl interessanter Anti-Helden, die alle für sich genommen, sehr interessante und spannende Geschichten und Beweggründe haben, warum sie Velvet folgen. Das Spiel stellt Grundsätze in Frage und versucht sehr gekonnt die Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Durch kleinere optionale Plaudereien erfährt man immer mehr über die einzelnen teils sehr charismatischen Begleiter von Velvet. Malakhim, Therion, Dämon und Exorzist sind sehr häufig bemühte Vokabeln des Spiels. Den begeisterten „Tales of“ Spielern sollten diese bereits ein Begriff sein, nicht aber den Serien-Neulingen. Die Begriffe werden nur bedingt erklärt und besonders im Falle der Malakhim kann es schon eine Weile dauern, bis man begriffen hat, was es eigentlich mit diesen Wesen auf sich hat. Da der Teil deutlich vor den Ereignissen von „Tales of Zestiria“, aber an ähnlichen Orten spielt, kann er als Prequel angesehen werden. Die dämonische Velvet ist die erste weibliche Hauptdarstellerin in der „Tales of“ Reihe und bemüht sich, ihrer männlichen Konkurrenz das Wasser zu reichen. Velvet ist stark, tapfer und trotz ihrer dämonischen Ader sehr liebenswert. Ist Velvet wirklich das personifizierte Böse?

Tales of Berseria Boss Tales of Berseria velvet

Erweitertes Kampfsystem – Jetzt gibts Saures!

Das Kampfsystem der Tales-Reihe wurde erneut überarbeitet. Wie auch in den anderen Teilen  bewegen wir uns mit unserem Charakter durch die bedingt offene Welt und begegnen den unterschiedlichsten Gegnern. Sobald wir in den Aktions-Radius eines Gegners treten, beginnt der Kampf in einer separaten Arena. Wir können uns in der Arena frei bewegen, die Kamera nach Belieben steuern und unterschiedliche Angriffe, die sogenannten Artes, ausführen, um unsere Gegner zu besiegen. Es gibt sowohl Nahkampf- wie auch Fernkampf-Angriffe oder Zauber – kurz um, wir sind mit allem ausgestattet was man braucht, um erfolgreich zu sein.

Die Menge an unterschiedlichen Artes macht es dem Einsteiger natürlich sehr schwer, den Überblick über die einzelnen Angriffsmöglichkeiten und ihre Besonderheiten zu wahren. Denn man kann nicht nur eine Person im Kampf steuern, sondern gleich sechs, wobei nur vier als aktive Kämpfer genutzt werden können. Jeder der 6 hat eigene Techniken und  Spezialfähigkeiten. Diese wollen natürlich alle gelernt und genutzt werden, um die schwierigsten Gegner besiegen zu können. Eine weitere Neuerung gegenüber den anderen Teile ist die Einführung der Soul Gauge. Um Artes mit mehr Intensität ausführen zu können, besitzt jeder Kämpfer, aber auch jeder Gegner, blaue Kristalle, die bei der Ausführung von Artes verbraucht werden. Sind alle Kristalle verbraucht kann man seine Artes weiterhin benutzen, jedoch sind sie nicht mehr ganz so effektiv und die Chance, abgeblockt zu werden, steigt enorm. Sie regenerieren jedoch sehr schnell, sobald man sich ein wenig aus dem Kampfgetümmel zurückzieht. Besonders interessant sind die sogenannten Break-Soul-Attacken, die man für den Preis von einem Kristall auslösen kann. Sie beinhalten spezielle Fähigkeiten und besonders starke Angriffe. So kann Velvet zum Beispiel ihre Dämonenklaue aktivieren und damit ihre Gegner aufschlitzen.

Während ihr einen der 4 kämpfenden Charaktere steuert, könnt ihr die zwei pausierenden auch zu Hilfe rufen. So können verwundete Helden durch andere ersetzt werden. Das kann von Zeit zu Zeit sehr nützlich sein. Da ihr nur einen Charakter aktiv steuern könnt, gibt es die Möglichkeit, Befehle für die anderen Mitstreiter zu geben oder ihre Strategie einzustellen. Belasst ihr alles wie vom Computer vorgegeben klappt das auch, nur kann es passieren, dass zu sehr ungünstigen Zeitpunkten ultimative Fähigkeiten ausgelöst werden, die vielleicht an anderer Stelle wichtiger gewesen wären. Man merkt also, das Kampfsystem in Tales of Berseria ist sehr komplex und um Erfolge zu erzielen, muss man sich ausgiebig damit auseinander gesetzt haben. Dafür hat man im Laufe des Spiels genug Zeit, denn Kämpfe gegen herumstrolchende Monster gibt es alle paar Meter. Trotz ausgeklügelter Techniken kann es bei der Anzahl an auftretenden Kämpfen durchaus zu Ermüdungserscheinungen und ein wenig Langeweie kommen.

Tales of Berseria Velvet

Hinterm Horizont geht’s weiter – Piraten, Fasching und Co.

Die Welt in „Tales of Berseria“ ist über viele unterschiedliche Inseln im Meer verteilt und was könnte einem da besser helfen als ein Schiff? Nur gut, dass wir uns mit einem Piratenkapitän anfreunden. So bereisen wir die Welt bequem per Boot. Als kleines Gimmick können wir unsere Piraten alle 30 Minuten auf Erkundungstour schicken. Von Ihren Raubzügen bringen sie die unterschiedlichsten Waren und Schätze mit. Je öfter die Piraten los segeln, umso mehr Schätze können mit der Zeit erbeutet werden. Ein netter Zeitvertreib für zwischenduch, aber keine große Bereicherung für das Spiel.

In „Tales of Xilia“ konnten wir unsere Katzen auf die Reise schicken, hier gibt es überall in der Welt Katz-Kisten. Um sie zu öffnen benötigt man eine ausreichende Menge an blauen Kristallen, die man allerorts verteilt finden kann. Die kleinen Katz freuen sich sehr über ihre Rettung und schenken uns Verkleidungen, die wir unseren Mitstreitern anziehen können. Ein absolutes Muss für alle Sammler unter euch. Zusätzlich zu diesen beiden Gimmicks gibt es die unterschiedlichsten Mini-Spiele, die man in den einzelnen Städten spielen kann, darunter Kartenspiele, Kellnern, Ballons zerplatzen lassen. Diese Spiele belohnen auch mit den unterschiedlichsten Kleinigkeiten, sind aber bestenfalls etwas für hohlen Zahn.

Zusätzlich zu den ganzen Verkleidungen sammeln wir im Kampf gegen die dunkle Brut auch reichlich Ausrüstungen. Werden Ausrüstungsteile lange genug im Kampf eingesetzt, lassen sich zusätzliche Fähigkeiten der Rüstung freischalten. Zusätzlich dazu können wir die Ausrüstungen auch aufwerten. Dazu benötigen wir die entsprechenden Zutaten, die unter anderem durch das Zerlegen von nicht benötigten Ausrüstungsteilen gewonnen werden können. Hier ist das ganze System im Vergleich zu den anderen Tales-Teilen deutlich reduziert worden. Dies schafft eine bessere Übersichtlichkeit und vereinfacht das Ganze. Als letzte Besonderheit sollte noch das Kochsystem erwähnt werden. Die Piratencrew bringt die unterschiedlichsten Rezepte von ihren Raubzügen mit, so dass ihr kulinarisch immer auf dem neusten Stand seid. Durch das Verzehren von Gerichten werden die unterschiedlichsten Boni für den Kampf gewährt, ähnlich wie in Final Fantasy XV.

Tales of Berseria katz

Sah das nicht letztens schon so aus??

Grafisch muss man einige Abstriche machen, denn im Vergleich zum Vorgänger sind kaum Änderungen sichtbar. Für ein PS4-Spiel sind die Anforderungen jedenfalls nicht besonders hoch und auch die PC-Version hinkt ein wenig der Zeit hinterher. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass das Spiel in Japan auch für die PS3 erschienen ist. Ungeachtet dessen aber sicherlich ein wenig enttäuschent. Besonders durch die teilweise sehr langen und monoton gestalteten Gebiete hätte man sich doch mehr Liebe zum Detail gewünscht. Auch die Musik ist teils sehr monoton. Zwar wechselt die Musik je nach Gebiet oder Kampf, jedoch sind die Gebiete teils so groß und lang, dass die Musik an einigen Stellen eine eher nervige Kulisse darstellen kann. Das Spiel selbst kann entweder in japanischer oder englischer Sprache gespielt werden. Die englische Vertonung ist sehr gut und wurde mit deutschen Untertiteln übersetzt, wobei diese häufig nur grob den Inhalt der Tonspur wiedergeben.

Eigenarten des PC-Spiels

Da ich Tales of Berseria als PC-Version getestet habe, möchte ich euch meine Erfahrungen im Spielen mit Maus und Tastatur nicht vorenthalten, sobald ich meine Finger wieder entknotet habe, kann es los gehen. Man merkt eindeutig, dass das Spiel für die Konsole ausgelegt ist. Zwar funktionieren die Befehle mit Maus und Tastatur tadellos und auch die Steuerung ist problemlos möglich. So viele Finger kann der Mensch aber gar nicht haben, um im hektischen Kampfgeschehen, die vielen Tasten gleichzeitig drücken zu können. Mit Hilfe eines Controllers ist es kein Problem, die unterschiedlichsten Tastenkombinationen in kurzer Zeit auszuführen. An einer Tastatur kann das zu einer sportlichen Herausforderung werden, da die Wege nicht ganz so kurz sind. Es gibt also natürlich die Möglichkeit, das Spiel mit den gängigen Controllern am Rechner zu spielen und das klappt auch problemlos. Hat man keinen Controller zur Hand, muss man sich eben mit den Tasten abmühen – aber keine Sorge, auch das klappt nach einer gewissen Eingewöhnungszeit.

Tales of Berseria Artwork

Tales of Berseria
Fazit:
Tales of Berseria überzeugt durch eine interessante, alternative Geschichte mit charismatischen Charakteren. Das aufwändige Kampfsystem und Möglichkeiten der Waffen-Verbesserungen geben dem Spieler die Möglichkeit, noch mehr Einfluss auf das Spiel-Geschehen zu nehmen. Durch Erkundungsfahrten mit den Piraten, Kochen aber auch die Kostüme der Katz wird die teils sehr düstere Stimmung des Spiels angehoben. Dies geschieht nicht zuletzt auch durch die immer wieder optional möglichen Plaudereien der Gefährten. Die ungewöhnliche Geschichte kann über die teils tristen, langatmigen und grafisch nicht ausgereiften Gebiete und Szenerien hinwegtrösten. Für mich ist die Geschichte von Velvet Crowe eine unglaubliche Bereicherung für das Tales-Universum und ein Must-Have für alle Fans der Reihe. Einsteiger haben es zu Weilen ein wenig schwieriger kommen aber auch hier auf ihre Kosten. Dieses JRPG ist alles andere als ein Klischee!
8
Prima

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